Die Physiker

Das Theaterstück von Friedrich Dürrenmatt auf der Bühne des DHG

 

Theaterkritik zur Aufführung der „Physiker“ am 31.3.11

Für den Theaterseminarkurs diesen Jahres wurden außer eigenen Szenen auch Theaterkritiken zur Aufführung der TheaterAG geschrieben. Eine haben wir fürs Jahrbuch ausgewählt:

Beliebt, humorvoll, deshalb oft gespielt, und dennoch eine Botschaft in sich tragend, die heute mehr gilt als je zuvor: Am 31. März und am 1. April des Jahres 2011 führte die Theater-AG des Droste-Hülshoff-Gymnasiums Meersburg „Die Physiker“ auf.

Das Stück von Friedrich Dürrenmatt ist 1961 entstanden. Es erzählt die Geschichte von drei vermeintlich verrückten Physikern in einem Irrenhaus: Beutler, der sich als Newton ausgibt, Ernesti als Einstein und Möbius, dem der König Salomo erscheinen soll. Alle drei haben innerhalb von zwei Monaten ihre Pflegerin umgebracht. Im Zweiten Akt lösen sich die Physiker-Rollen auf, Newton und Einstein sind Agenten, die Möbius für ihren jeweiligen Geheimdienst gewinnen sollen, da dieser die „Weltformel“, das sogenannte „System aller möglichen Erfindungen“ aufgestellt hat. Möbius dagegen weigert sich, seine Erkenntnisse anderen zur Verfügung zu stellen, um sie vor Missbrauch zu schützen. Die verrückte Chefärztin allerdings hat seine Manuskripte heimlich kopiert und will sie verkaufen. Somit ist die Welt dem Untergang geweiht und die drei „Physiker“ können nichts dagegen tun.

Um die Aufführung der Theater-AG zu kommentieren, muss man sich zunächst einmal ihre Voraussetzungen vor Augen halten. Die Schauspieler sind Schüler der 8. bis 12. Klassenstufe, die unterschiedliche Spielerfahrungen mitbringen. Für viele war es der erste Auftritt als Schauspieler und eine schulische Theater-AG ist somit vielmehr Ort des Versuchens, Ausprobierens, Entdeckens und Lernens als der Perfektion und der professionellen Darstellung.

Es fällt deshalb auf Anhieb schwer, eine Kritik zu einem Schüler-Theater zu schreiben. Man sieht Fehler oder Ungereimtheiten leichter, als sie unter diesen Voraussetzungen zu beheben sind, glaubt man, und will niemandem Unrecht tun. In der Kritik soll aber sowohl Gelungenes als auch Missglücktes zum Ausdruck kommen, wobei letzteres eine Chance zur Verbesserung darstellt, keinesfalls eine Verurteilung.

Die Inszenierung zeigte viele überzeugende Rollen. Insbesondere Einstein, Zahndt und der Inspektor wurden herausragend gut gespielt. Gestik, Mimik, Körpersprache und Textinhalt stimmten überein, die Rolle war als ganzes präsent. Einige Schauspieler hatten dagegen ersichtlich Schwierigkeiten, ganz in die Rolle hineinzuschlüpfen. Bei manchen lag es vielleicht an der ungewohnten „Hosenrolle“. Der Zuschauer konnte durch die Rolle die Privatperson erkennen, die mit dem Text kämpfte und errötete, wenn sie hängen blieb. Hier hätten möglicherweise fest eingeübte Handlungen geholfen, die Darstellung der Rolle sicherer zu machen. Die Rollenwechsel der Physiker zu den Geheimagenten und der Chefärztin von gesund zu psychisch krank wurden wieder sehr gut verdeutlicht. Das Spiel war umrahmt von einem außerordentlich passenden Bühnenbild, was manchmal die Aufmerksamkeit geradezu von der Handlung ablenkte.

Insgesamt war die Aufführung sehr textgebunden, wobei allerdings der Text nicht als Inhalt, sondern als Hindernis im Raum zu stehen schien. Der Zuschauer hatte nicht immer den Eindruck, dass das Rezitierte von den Schauspielern verstanden worden war. Gerade bei einem Stück mit einer so greifbaren Aussage wäre es sicherlich hilfreich gewesen, den Text als solchen zu besprechen und die Hintergründe zu beleuchten, um die Aufführungsmöglichkeiten zu erweitern. So hätte auch der Gegenwartsbezug deutlicher sein können, vor allem nachdem zu Anfang angekündigt worden war, dass das Stück viel mit der gegenwärtigen Lage in Japan zu tun habe. Diese Verbindung kam im Spiel selbst allerdings nicht zum Ausdruck.

Für einen Zuschauer, der das Stück kannte, war die Aufführung gut zu verstehen, als Darstellung ohne Hintergrundwissen blieb dagegen die Kernaussage etwas verborgen, was sicherlich damit zu tun hatte, dass sie auch den Schauspielern teils verborgen war. Dennoch war das Stück in sich schlüssig und mit erkennbarer Freude am Spiel aufgeführt – auf jeden Fall eine gelungene Inszenierung.

(Theaterseminarkurs)